Ilona Grabmaier, M.A.

Ilona Grabmaier ist Doktorandin am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien. Fragen nach sozialer (Un)-Gleichheit und Sicherheit im Spannungsfeld von Politik, Geschlechterverhältnissen, Sorgepraktiken und post-sozialistischer Transformation stehen im Zentrum ihres aktuellen Forschungsinteresses.

Bevor sie von März 2016 bis Dezember 2019 Kollegiatin im vom FWF geförderten Doktoratskolleg Galizien war, arbeitete sie u.a. als freie Projektmitarbeiterin und als Lehrbeauftragte am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie der Universität Wien. Anschließend ermöglichten ihr ein Marietta Blau-Stipendium des OeAD sowie ein Abschlussstipendium des Schroubek-Fonds Östliches Europa Aufenthalte als Gastwissenschafterin am Zentrum für Osteuropa und internationale Studien in Berlin sowie am Max-Planck-Institut für Ethnologische Forschung in Halle/Saale.

 

Dissertationsprojekt: "Daheimgeblieben. Rekonfigurationen von Sorge von und für Männer, Kinder und SeniorInnen in der ländlichen Ukraine"

Seit den frühen 2000er Jahren erleben zahlreiche Dörfer in der Westukraine eine massive Abwanderung, besonders von Frauen. Während die Situation von Arbeitsmigrantinnen in den Empfängerländern und deren Bemühungen, transnationale Care-Beziehungen mittels unterschiedlicher Formen des Austausches aufrecht zu erhalten, ethnografisch relativ gut erforscht sind, wissen wir bislang noch sehr wenig darüber, wie sich die Abwesenheit von Frauen auf die sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse der daheimgebliebenen Familienangehörigen auswirkt. In Ilonas Dissertationsprojekt werden daher insbesondere die Situation von Männern, Kindern und SeniorInnen sowie deren Integration in unterschiedliche Netzwerke gegenseitiger Unterstützung und damit in Zusammenhang stehende Prozesse der Inklusion in und Exklusion von Familien, der Dorfgemeinschaft und dem Staat beleuchtet. Bisherige Studien zu den Auswirklungen weiblicher Arbeitsmigration legten ihren Fokus zumeist auf die Abwesenheit von Müttern und die zentrale Rolle, die diesen in Bezug auf emotionale und materielle Care-Arbeit hinsichtlich ihrer Kinder, Ehemänner und Eltern zugeschrieben wird. Dieser Fokus auf die Perspektive der Frauen und Mütter wird als analytisch problematisch angesehen, da eine Naturalisierung von Mutterschaft und damit einhergehenden Care-Erwartungen und -Verantwortungen den Blick auf andere AkteurInnen verstellen, die in der Bereitstellung von Care ebenso von Bedeutung sein können. Aufbauend auf aktuellen anthropologischen Ansätzen an der Schnittstelle von Care, Verwandtschaft, Gender und dem Staat werden Rekonfigurationen von Care-Praktiken als Ausgangspunkt genommen für die Untersuchung der Herstellung, Reproduktion und Auflösung bedeutsamer Bindungen.